100 Jahre Biesterfeld: Vom Salzhändler zum internationalen Distributeur
1906 - 1926: Der Aufbruch in die Zukunft
1927 - 1946: Ein Silberstreif in dunklen Zeiten
1947 - 1966: Zeiten von Neubeginn und Aufbau
1967 - 1976: Neue Generationen betreten den Weltmarkt
1977 - 1986: Zeit der Neuordnung
1987 - 1996: Zeit für neue Verknüpfungen und Ausrichtungen
1997 - 2006: Mit klaren Strukturen ins neue Millennium
1906 - 1926
Der Aufbruch in die Zukunft
Man muss schon Mut und ein feines kaufmännisches Gespür für Märkte, Chancen und Produkte haben, um in der späten Gründerzeit den Grundstein für ein internationales Unternehmen zu legen.
Mut hat der gelernte Groß- und Außenhändler Wilhelm Ernst Hinrich Biesterfeld. Das feine Gespür erarbeitet er sich durch Flexibilität und Beständigkeit, als er, 26-jährig, am 6. Juni 1906 die Firma W. Biesterfeld & Co. in Hamburg gründet. Er bezieht ein erstes kleines Büro im Grimm in der Hamburger Altstadt.
Norddeutsches Steinsalz für das Inland und den skandinavischen Raum bildet bis 1918 den Grundstock für den florierenden Salzhandel. In diesem Jahr reagiert Wilhelm Biesterfeld auf den Zusammenschluss der norddeutschen Steinsalzwerke zu einem Syndikat mit der Verlagerung seines Geschäftsfeldes auf den Vertrieb von Siedesalz. Aus diesem erfolgreichen Handeln entsteht 1922 die Biesterfeld Salzhandelsgesellschaft. Als sich 1930 auch die Siedesalzhersteller zu einem Syndikat vereinen, ist die Bedeutung von W. Biesterfeld & Co. bereits so groß, dass dem Unternehmen der Alleinverkauf für bestimmte Gebiete in Nord- und Ostdeutschland übertragen wird. Parallel dazu engagiert sich W. Biesterfeld & Co. mit dem Handel von Chemikalien und Düngemitteln in einem der zukunftsträchtigsten Wachstumsmärkte. Wie überlebenswichtig mehrere Standbeine für ein Unternehmen sind, zeigt sich vor allem daran, wie Fehlschläge verkraftet werden. Der glücklose Ausflug in die Seeschifffahrt führt 1925 zur Schließung der Reederei Wilhelm Biesterfeld. Ein schwerer Schritt für das Gesamtunternehmen und seine 80 Mitarbeiter.
Aber so bleiben wenigstens acht Arbeitsplätze und die Zukunft von W. Biesterfeld &
Co. gesichert.
Zurück zum Seitenanfang
1927 - 1946
Ein Silberstreif in dunklen Zeiten
Die 30er Jahre sind geprägt vom Wiederaufbau und vom Ausbau der drei Hauptsäulen des Hauses Biesterfeld: Salz-, Chemikalien- und Düngemittelhandel. Die Firma gründet Zweigniederlassungen in Berlin, Halle, Breslau und Wien. Auch der Standort Hamburg wird ausgebaut. Im Sloman-Haus am Steinhöft werden neue, größere Büroräume bezogen. Walter Hartmann, der Neffe und spätere Adoptivsohn des kinderlosen Firmengründers, tritt 1930 in die Firma ein. Dabei erkennt er frühzeitig die Bedeutung des lagerhaltenden Chemikalienhandels als Vermittler zwischen Industrie und weiterverarbeitenden Betrieben. Die Übernahme der alteingesessenen chemischen Fabrik Gunter, Schröder & Co. im Jahr 1945 in Hamburg-Harburg legt den Grundstein für den Aufbau eines überregionalen Chemikalienverteilernetzes mit eigenen Lägern und Umschlagseinrichtungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist es dem unermüdlichen Unternehmergeist von Wilhelm und Walter Biesterfeld sowie dem Engagement jedes Mitarbeiters zu verdanken, dass das Unternehmen erneut eine große Zukunft vor sich hat. Die verlorenen Ostmärkte und das zerstörte Hamburger Hauptkontor hindern nicht daran, die guten Geschäftsbeziehungen der Vorkriegszeit im In- und Ausland zu reaktivieren. Innerhalb kurzer Zeit erwacht die Firma im Salz-, Chemikalien- und Düngemittelhandel zu neuer Größe.
Zurück zum Seitenanfang
1947 - 1966
Zeiten von Neubeginn und Aufbau
Das Unternehmen Biesterfeld entwickelt sich immer mehr zum Kompetenzpartner seiner Kunden. Das hohe fachliche Wissen der Mitarbeiter fördert die Qualität in der Beratung und steigert den Verkauf. Als Folge entstehen weitere Betriebe und Büros in Berlin, Augsburg, Frankfurt am Main, Hannover und Köln. Parallel zu dem Verteilergeschäft wächst auch der Import von Chemikalien. Die eigenständige Produktentwicklung und –bearbeitung wird zu einem wichtigen Standbein des Unternehmens. In Hamburg-Mühlenhagen entstehen Büro- und Lagergebäude für Salz und Düngemittel. Bei Gunter, Schröder & Co. werden ein neues Bürohaus, Lager- und Umschlagseinrichtungen sowie Anlagen für Lösemitteldestillation und Säureveredelung errichtet. Zwischen 1950 und 1960 wird die Basis für das starke Wachstum erheblich verbreitert. Eigene Niederlassungen in den Geschäftsbereichen Chemikalienimport und -export, Salz und Düngemittel sowie Chemiebetriebe werden installiert und bilden die Basis für einen flächendeckenden Vertrieb. Dank bewährter internationaler Kontakte fallen in diese Zeit auch die Anfänge des Imports von Kunststoffen westeuropäischer Hersteller. Das Unternehmen wächst und wächst. Der Platz im Sloman-Haus schrumpft. Daher erwirbt Wilhelm Biesterfeld das Grundstück in der Ferdinandstraße 41 in der Hamburger Innenstadt. Ab 1956 beherbergt der mehrfach erweiterte Bürokomplex den Stammsitz des Unternehmens.
Zurück zum Seitenanfang
1967 - 1976
Neue Generationen betreten den Weltmarkt
1964 besteht die Unternehmensgruppe aus mehr als 20 Einzelfirmen mit rund 600 Mitarbeitern. In diesem Jahr stirbt der Firmengründer Wilhelm Biesterfeld im Alter von 84 Jahren. Walter Biesterfeld sichert mit großem kaufmännischem Wissen und seiner internationalen Erfahrung das kontinuierliche Wachstum. In den folgenden sechs Jahren baut er das Unternehmen weiter zu einem führenden Handelshaus für Chemikalien aus. Sein Sohn Dirk J. Biesterfeld tritt 1970 das Firmenerbe als persönlich haftender Gesellschafter an und führt die Entwicklung zum international agierenden Konzern fort. Zwischen 1960 und 1980 wird das Verteilernetz für den Chemikalienhandel im Inland und über die deutschen Grenzen hinaus ausgebaut.
Die erste europäische Niederlassung wird 1961 in Alphen aan den Rijn in den Niederlanden gegründet. Der weltweite Wettbewerb im Exporthandel wird härter. Umso wichtiger ist es, in den ausbaufähigsten lokalen Märkten vertreten zu sein. Auf dem amerikanischen Kontinent gelingt es dem Unternehmen Fuß zu fassen. Mit der Niederlassung in Brasilien 1976 und der Gründung der Biesterfeld US kommen neue interessante Märkte hinzu. Das wachsende Geschäft mit Kunststoffen entwickelt sich zu einem wichtigen Standbein des Gesamtunternehmens. Neben den internationalen Kontakten kommt der kompetenten Beratung durch hoch qualifizierte Mitarbeiter eine große Bedeutung zu.
Zurück zum Seitenanfang
1977 - 1986
Zeit der Neuordnung
Die Firma Biesterfeld hat schon früh vielfältige Kapazitäten in der produkt- und anwendungstechnischen Beratung und Entwicklung aufgebaut. So konnten erfolgreiche Eigenprodukte entstehen. Der Geschäftsbereich Biesterfeld Verpackungsmittel gehört seit den 50er Jahren zum Unternehmen. Nun wird in Alsfeld bei Kassel ein Konfektionierungsbetrieb für Papiere und Folien gebaut, in dem ab 1977 auch die Eigenmarke "Julia" Haushaltspapiere hergestellt wird. Dieser Bereich gehört dem Unternehmen bis zu Beginn der 90er Jahre an. 1976 ändert die Firma ihr Corporate Design. Aus dem rot-weißen Flaggenemblem entsteht ein modernes, abstraktes Logo für den einheitlichen Auftritt der gesamten Unternehmensgruppe. In den 80er Jahren erschwert eine neue, verschärfte Gesetzgebung den Umgang mit Chemikalien im Fachhandel. Dies veranlasst das Unternehmen Biesterfeld, ein umfangreiches Investitionsprogramm zur Modernisierung seiner Chemiebetriebe in die Tat umzusetzen. So werden beispielsweise durch die Errichtung moderner Organika- und Anorganikaläger zukunftsweisende Kapazitäten geschaffen. 1981 wird die Biesterfeld Gruppe neu geordnet. Nach dem 75-jährigen Bestehen der Firma werden Niederlassungen und Tochtergesellschaften in der Gesellschaft Wilhelm E. H. Biesterfeld zusammengefasst. Die Kernbereiche der Gruppe sind zu dieser Zeit: Chemiebetriebe, Import, Export, Verpackungsmittel, Salz, Agrarchemie und internationale Spedition.
Zurück zum Seitenanfang
1987 - 1996
Zeit für neue Verknüpfungen und Ausrichtungen
Mit Niederlassungen in China, Hongkong und Indonesien expandiert die Biesterfeld Gruppe Mitte der 80er Jahre in den asiatischen Raum. In Europa nimmt die 1988 gegründete Biesterfeld Plastic GmbH als rechtlich selbstständiges Unternehmen ihre Arbeit im Kunststoffgeschäft auf. Durch die intensivere Zusammenarbeit mit Lieferanten und die Gründung neuer Niederlassungen in Frankreich, Italien, Polen und Spanien wird die Position der Biesterfeld Plastic GmbH auf dem internationalen Markt ausgebaut.
Der Um- und Neubau des Verwaltungsgebäudes am Firmensitz in Hamburg Ende der 80er Jahre trägt dem Geschäftswachstum der Bereiche und den gestiegenen Anforderungen an die Kundenbetreuung Rechnung. Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung geht Biesterfeld ein Joint Venture für anorganische Chemikalien und deren Vertrieb in den neuen Bundesländern ein. Vom Standort Hoppegarten bei Berlin aus schaffen Zukauf und Beteiligung ein zusätzliches Zentrum in Sachsen, das die bundesweite Distribution optimal ergänzt. Als weiteres Joint Venture entsteht zwischen der bisherigen Biesterfeld Agrar- und Gartenbedarf GmbH und Krupp Lonrho (1989) sowie den Firmen Scheibler und Linssen (1994) die Biesterfeld Scheibler Linssen GmbH & Co. KG mit Sitz in Hamburg. Die stärkere Fokussierung auf die Distribution von Spezialchemikalien mit Anwendungstechnik als Serviceleistung mündet in die Gründung der Biesterfeld Spezialchemie GmbH.
Zurück zum Seitenanfang
1997 – 2006
Mit klaren Strukturen ins neue Millennium
Mit dem Übergang in das neue Jahrtausend beginnt bei Biesterfeld eine strategische Neuausrichtung der Konzernstruktur. Neben Handel und Distribution nehmen seit langem anwendungstechnischer Service, Entwicklung und Beratung einen hohen Stellenwert ein. Die Ausgestaltung der Geschäftsbereiche als eigenständige Unternehmen setzt dabei ein enormes Wachstumspotenzial frei. Wachsende Anforderungen an die Datenverarbeitung und die Softwareentwicklung des IT-Bereichs von Biesterfeld führen im Jahre 2000 zur Gründung der BIT-SERV. Hier entstehen Lösungen für die Bereiche Internet, Datenverarbeitung und Netzwerkanwendungen nicht nur für die Unternehmensgruppe, sondern auch für externe Kunden. Das Joint Venture Biesterfeld Chemiedistribution GmbH & Co. KG mit der Brenntag nimmt Anfang 2003 seine Arbeit auf. Die Gründung ist ein wesentlicher Schritt zur Konzentration der Biesterfeld Gruppe auf ihre Kernkompetenzen in Beratung und Anwendungsunterstützung. Die Biesterfeld Chemiehandel GmbH & Co. KG kann inzwischen auf dem Werksgelände in Köln auf eine über dreißigjährige Erfahrung in der Lohnverpackung zurückgreifen. Darüber hinaus engagiert sie sich im verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt durch vorbildliche Analyse und Sanierung der Grundstücke. Im April 2004 wird die Muttergesellschaft, Wilhelm E. H. Biesterfeld GmbH & Co. KG, in die Biesterfeld Aktiengesellschaft umgewandelt. Vorstand und Aufsichtsrat werden etabliert und nehmen ihre erfolgreiche Arbeit auf. Das trägt den gestiegenen Anforderungen an die Konzernzentrale Rechnung und ist der Wegbereiter für die Platzierung von Genussrechten. Damit wird die Eigenkapitalbasis deutlich ausgebaut. Diese stärkere Kapitalmarktorientierung bei gleichzeitiger Wahrung des Familiencharakters sichert das erfolgreiche Unternehmenswachstum in den Kerngeschäftsfeldern. Die Fokussierung auf die Kerngeschäftsfelder führt im Juli 2005 zur vollständigen Übernahme der Biesterfeld Siemsglüss International GmbH. Die Spezialisierung dieses Geschäftsbereichs auf den internationalen Handel mit Industriechemikalien, pharmazeutischen Roh- und Hilfsstoffen sowie Agrarchemikalien generiert konzernweit ein hohes Synergiepotenzial.
Zurück zum Seitenanfang

